Projekte

"Kirchengeschichte macht Schule"

© contrastwerkstatt
© contrastwerkstatt

Der Religionsunterricht ist heute von großer Bedeutung. An keinem anderen Ort kommen so viele junge Menschen über einen längeren Zeitraum mit religiösen Fragestellungen in Berührung wie hier. Das Verhältnis von Kirchengeschichte und Religionsunterricht hingegen ist seit langem nicht sehr fruchtbar. Kirchengeschichtsdidaktik gilt als Stiefkind innerhalb der Religionspädagogik und kirchengeschichtlicher Religionsunterricht oftmals als verstaubt und langweilig. Die Kirchengeschichtswissenschaft muss daher einen Perspektivwechsel vollziehen: den Religionsunterricht als Ort kirchengeschichtlicher Fragestellungen erkennen und die angehenden Religionslehrerinnen und -lehrer sowie Schülerinnen und Schüler als Adressaten ihrer Forschung und Lehre in den Blick nehmen. Kirchengeschichte muss auf das Leben von heute bezogen sein – das ist mir Auftrag und Ansporn als Kirchenhistoriker.

Mein Projekt widmet sich dem Themenfeld Kirchengeschichte und Religionsunterricht, tritt von Seiten der Kirchengeschichtswissenschaft in einen Dialog mit Religi-onspädagogik und Fachdidaktik und leistet einen Beitrag zur Professionalisierung von Religionslehrerinnen und Religionslehrern zur Arbeit an kirchengeschichtlichen Themen im schulischen Religionsunterricht.



Lebenskonzept Christsein

© ChristArt
© ChristArt

Historische Theologie versteht sich als Suche nach den Spuren, die Menschen bei ihrer Suche nach Gott, ihrer Auseinandersetzung mit ihm und ihrem Glauben an ihn im Laufe der Geschichte hinterlassen haben. Sie leistet eine wichtige Erinnerungsarbeit, denn in den Spuren werden die Zeugen christlichen Glaubens lebendig. Dabei gilt es aber auch, die Spuren kritisch zu betrachten und zu fragen, welche zur Identität des Christentums gehören und welche sie eher verdecken. 

Mein Projekt widmet sich der Frage, was für ein christliches Lebenskonzept wirklich zentral und fundamental ist, um daraus Konsequenzen für das Christentum von heute zu ziehen. Was ist denn „wirklich“ christlich, und was bedeutet es, Christ zu sein? Aus dieser Fragestellung ergeben sich vielfältige Möglichkeiten, Zugänge zum Christentum zu finden: für Christinnen und Christen, ihre eigene Religion besser zu verstehen, für Menschen am Rand von Kirche, das Christentum neu zu verstehen, für Menschen, die spirituell auf der Suche sind, neue Zugänge zu den Quellen geistlichen Lebens zu finden. Das Christsein als Lebenskonzept zu verstehen und zu reflektieren bietet auch Chancen für kirchengeschichtliche Inhalte im Religionsunterricht. In Auseinandersetzung und im Dialog mit Lebenskonzepten von Christinnen und Christen aus der Geschichte, mit Konflikten, Dilemmata usw. gelingt es Schülerinnen und Schülern, ihre eigene Persönlichkeit zu entwickeln und dabei auch zu verstehen, welche Chancen und Herausforderungen in einem christlichen Lebenskonzept liegen.

 



Inspirationen aus der Wüste

© Alexmar
© Alexmar

Die Mütter und Väter der Wüste waren zweifelsohne „schräge Vögel“ und trotzdem oder gerade wegen ihrer „schrägen“ individuellen und konsequenten Lebensführung hochgeschätzte Persönlichkeiten, Vorbilder und Orientierungsfiguren. Sie waren geschätzte Seelsorger, aber auch geschätzte Lehrer – freilich nicht in dem Sinne, dass sie einen Stoff vermittelten, sondern indem sie weitergaben, was sie selbst gelernt und erlebt haben, indem sie Zugänge zum Leben eröffneten. 

Auch heute sind „schräge Vögel“, die „ihr Ding machen“ und ihr Leben individuell und konsequent gestalten, interessant und stehen hoch im Kurs. Mein Projekt sucht nach spannenden Inspirationen, die für Menschen von heute interessant sein können. In ihrer Zeit hatten die Mütter und Väter der Wüste viele Schüler, die sich von ihnen Wegweisung für ihr Leben erbaten. Kann man auch heute Erkenntnisse von den Wüstenmüttern und -vätern für das eigene geistliche Leben erlangen? Kann man  Kompetenzen von ihnen erwerben, z.B. im Rahmen einen kompetenzorientierten Religionsunterrichts? Im Sinne eines biographischen Lernens sollen exemplarisch Lebensbilder aufgearbeitet und adressatensensibel für unterschiedliche Kontexte zugänglich gemacht werden.